Was ist das?
Ein Bandscheibenvorfall beim Hund entsteht, wenn das Gewebe einer Bandscheibe, die als elastischer Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln liegt, beschädigt wird und in den Wirbelkanal vordringt, in dem das Rückenmark verläuft. Der dadurch entstehende Druck reizt oder schädigt die empfindlichen Nervenstrukturen, was starke Schmerzen, Bewegungsstörungen oder sogar Lähmungen verursachen kann. Je nachdem, an welcher Stelle der Wirbelsäule und wie stark der Vorfall auftritt, reichen die Beschwerden von Verspannungen und Schmerzen über einen unsicheren Gang bis zum vollständigen Verlust der Bewegungsfähigkeit in den Beinen. Manche Rassen mit langem Rücken sind besonders anfällig. Ein Bandscheibenvorfall kann sich schlagartig entwickeln und stellt vor allem bei plötzlich auftretenden Lähmungen einen akuten Notfall dar, bei dem rasches Handeln über die Aussicht auf Erholung mitentscheidet.
Typische Anzeichen
Die Beschwerden hängen von der betroffenen Stelle und der Schwere ab. Häufig beobachtete Anzeichen sind:
- plötzliche Schmerzen mit Jaulen, steifer Haltung oder aufgekrümmtem Rücken
- Bewegungsunlust und Berührungsempfindlichkeit am Rücken oder Nacken
- Schwäche, Wackeln oder Lahmheit in den Beinen
- Koordinationsstörungen oder Nachschleifen der Pfoten
- teilweise oder vollständige Lähmung, teils mit unkontrolliertem Harn- oder Kotabsatz
Mögliche Ursachen
Ein Bandscheibenvorfall kann verschiedene Hintergründe haben. Mögliche Ursachen und begünstigende Faktoren sind:
- anlagebedingte vorzeitige Bandscheibenverkalkung, besonders bei bestimmten Rassen
- altersbedingter Verschleiß der Bandscheiben
- abrupte Belastungen wie Springen oder Stürze
- ungünstige Körperbauverhältnisse, etwa ein langer Rücken
- Übergewicht, das die Wirbelsäule zusätzlich belastet
Was Sie tun können
Wenn Sie Anzeichen bemerken, halten Sie Ihren Hund unbedingt ruhig und vermeiden Sie Springen, Treppensteigen und wildes Toben, da Bewegung den Vorfall verschlimmern kann. Heben Sie ihn vorsichtig und stützen Sie dabei den Rücken, und sorgen Sie für einen ruhigen, gepolsterten Liegeplatz. Manipulieren Sie nicht am Rücken und versuchen Sie nicht, ihn zu dehnen.
Bandscheibenvorfall beim Hund: Wann muss ich zum Tierarzt?
Dies ist ein sofortiger Notfall, sobald Nerven und Rückenmark betroffen sind: Suchen Sie ohne Verzögerung tierärztliche Hilfe, wenn Ihr Hund plötzlich die Beine nicht mehr richtig bewegen kann, gelähmt oder wackelig wirkt, die Hinterhand nachzieht, sehr starke Rückenschmerzen zeigt oder Harn und Kot nicht mehr kontrollieren kann. Bei plötzlichen Lähmungen zählt jede Stunde, weil eine rasche Behandlung die Chance auf Erholung deutlich verbessert; warten Sie deshalb keinesfalls ab, ob sich der Zustand von selbst bessert. Auch bereits deutliche, anhaltende Rückenschmerzen oder ein steifer, klammer Gang ohne Lähmung sollten zeitnah untersucht werden, bevor sich der Zustand verschlechtert. Tragen Sie Ihren Hund dabei möglichst ruhig und gestützt, um weitere Bewegungen der Wirbelsäule zu vermeiden, und suchen Sie umgehend den nächsten tierärztlichen Notdienst auf.
